Accomplishnment Amarateca

Ein Mathe-Ass geht seinen Weg

Es ist Samstag, der 20. Oktober 2018. Die Siebtklässler von 36 Schulen unterschiedlicher Bezirke von Honduras treten an, um den besten Matheschüler unter sich auszumachen.

Nach zwei Vorausscheidungen sind von ursprünglich 1.250 Jungen und Mädchen nur noch drei Dutzend übrig.

Hernán Ramos (im blauen T-Shirt), einer unserer Schützlinge, gewinnt den 1. Preis! Er teilt ihn sich mit einem anderen Siebtklässler aus dem Bezirk Cortés.

Noch vor einem Jahr wusste Hernán nicht, ob er überhaupt weiter zur Schule gehen oder ob er sich mit zwölf Jahren bereits als Handlanger seinen Lebensunterhalt verdienen müsste. Kinderarbeit nennen wir das in Europa.

Die Schule der Schwestern in Honduras hat ihn nicht nur davor bewahrt, sie bietet ihm auch die Chance, seine Begabung weiterzuentwickeln. Schliesslich hat er noch vier weitere Jahre in der Villa de los Niños in Amarateca vor sich.

Hernán hat einen kurzen Lebenslauf formuliert, den wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

Hernan„Mein Name ist Hernán Ramos und ich stamme aus der Provinz Paraiso. Ich bin am 4. August 2005 als zweites von vier Kindern meiner Eltern geboren. Damals waren wir eine richtige Familie. Mein Vater arbeitete als Handwerker, meine Mutter versorgte uns Kinder und verkaufte Selbstgekochtes, wo immer es möglich war.
Ich wuchs in einem armen Dorf auf. Eine kleine Lehmhütte war unser Zuhause. In meinem ersten Jahr in der Grundschule lernte ich viel und merkte, dass es mir leicht fiel. Auch mein Verhalten wurde lobend erwähnt, dabei folgte ich doch nur dem Vorbild meiner lieben Mutter.

Im zweiten Schuljahr begannen wir dann zu rechnen und ich habe meine Liebe zu den Zahlen, zum Lösen von Problemen entdeckt. Am Ende des Jahres musste ich die Schule verlassen, weil ich keine offizielle Geburtsurkunde vorlegen konnte. Wir dachten, diese sei verbrannt und so schickte mich meine Mutter auf eine andere Schule mit einem schlechten Ruf, die es aber mit den Papieren nicht so genau nahm. Doch irgendwann fand meine Oma meine Geburtsurkunde und ich konnte wieder auf meine alte Schule gehen.

Aber nicht für lange. Denn mein Vater trank mehr und mehr Alkohol, verprügelte meine Mutter immer wieder und so floh meine Mutter mit uns Kindern zu ihrer Mutter. Es war nicht leicht für uns, wieder neu anzufangen, ganz besonders in der Schule. Schnell war ich als Streber verschrien, nur weil ich gute Noten hatte. Auch die Lehrer waren mir nicht wohlgesonnen, stamme ich doch aus einer armen und zerbrochenen Familie.

Doch auch bei der Oma konnten wir auf Dauer nicht alle zusammen wohnen. Meine Mutter hatte kein Geld, um mich weiter zur Schule zu schicken. Schweren Herzens ging ich zu meinem Vater und fragte, ob er mich nicht unterstützen könnte. Doch er verneinte und schickte mich zu seinem Bruder, der es zu ein wenig Geld gebracht hatte. Onkel und Tante nahmen mich auf. Dafür musste ich ihrer Tochter, die auch in die sechste Klasse ging, Nachhilfe geben und bei den Hausaufgaben helfen.
 
Hernan besteht AufnahmetestDas war ein fairer Deal für mich, fiel mir das Lernen doch immer noch leicht. Als Klassenbester schloss ich die Grundschule ab. Aber das Leben bei meinen Verwandten wurde schwierig. Mein Auftrag war erfüllt und die Frau meines Onkels wurde immer gemeiner zu mir. Ich war nur noch eine Last für sie. Also zog ich wieder zu meiner Oma. Dort erzählte mir eine ihrer Bekannten von der neuen Schule der Marienschwestern. Dort gebe es freie Kost und Logis und eine gute Schulausbildung. Also bewarb ich mich, machte den Aufnahmetest und erhielt Ende 2017 die freudige Nachricht, dass ich dort weiter zur Schule gehen darf.
 
Heute bin ein Pater-Al-Kind und glücklicher Nutzniesser der Armenfürsorge seiner Marienschwestern. Hier bin ich mit vollem Einsatz dabei, um meiner Familie und mir eine gute Zukunft zu ermöglichen. Ich möchte ein gutes Beispiel für meine jüngeren Geschwister, meine Verwandten und unsere Gesellschaft sein. Hoffnung ist immer da, solange man fleissig lernt und dankbar ist, gegenüber Gott und den Menschen, die er bereit gemacht hat, für Bedürftige wie mich zu sorgen. Vielen Dank.“